Insektenschutz


Von Brummern, Flatterern und Gefiederten

Über die den Sommer begleitenden Sechsbeiner, die Insekten, schrieb schon der berühmte Jean Henri Fabre aus der Provence in Südfrankreich. Er lebte im vorvorigen Jahrhundert und seine erlebnisreichen Beobachtungen mit den dort lebenden Insekten, vor allem in seinem riesigen und naturbelassenen Garten, hat er darin dokumentiert: Name des Büchleins "Ich aber erforsche sie mitten im Leben" - Von der Poesie der Insekten.
Das war die Inspiration, meine bescheidenen und gelegentlichen Begegnungen mit Insekten und Vögeln aufzuschreiben, einfach so aus Freude am Lebendigen ! Und bei uns ? Erfreut muß ich feststellen, dass in diesem zwanzig - zwanzig - Sommer 2021 die Lüfte voller Leben sind. Kein Wunder, es ist seit Wochen sonnig und schön warm draußen und die Natur zeigt ihr verschwenderisches Gesicht jenem, der es in aller Stille betrachten und erforschen möchte.

Die Insektensommer 2020 / 2021:
Beobachtungszeitraum: vom 1. Juni 2021 bis 15. August 2021
Blumen und Staudengarten 20 m² im bebauten Stadtbereich Jena
Blumen-, Gemüse- und Staudenbestand: Taglilien, Sonnenhut, Thymian, Frauenmantel, Sommerflieder, Argentinische Eisenschote, Kugeldistel, Brombeere, Johannisbeere, Lavendel, Akelei, Wiesenglockenblume, Gänseblümchen, Herbstanemonen, Hortensie, Tomaten, Gurken, Sonnenblumen, Wilder Wein

Ergebnisse der täglichen Erfassungen von 1 Stunde Beobachtungszeit am Spätvormittag:
Honigbienen im Mittel 12 bis 15 max., im Juli 60 bis 80 Ex. im Garten und in der näheren Umgebung vor allem in Weinstöcken
Wespen: max. bis 20
Erdhummel: max. bis 5
Pelzbiene: max. bis 3
Dunkle Erdhummel: max. bis 3
Steinhummel: max. bis 2
Mauerbiene: max. 1 Ex.
Holzbiene: max. 1 Ex.
Erstbeobachtung Juni 2021
Graue Hummel: 2 Ex. zweimal beobachtet, sehr selten
Hornissen, Schwebfliegen, Dutzende Tagfalter
Tagpfauenauge: bis 4, häufig im August
Zitronenfalter: häufig
Distelfalter: selten
Kleiner Kohlweißling: max. bis 5 Ex.
Bläulinge, Schwalbenschwanz: selten beobachtet
Taubenschwänzchen: sehr selten im Juli

Bemerkungen:
Nach etwa vier Monaten Beobachtung der Insekten an oft sonnigen und warmen Tagen lässt sich feststellen, dass sich der Bestand an Insekten gegenüber den Jahren 2018 und 2019 erhöht hat, wie auch vier neue Arten mit Holzbiene, Grauhummel, Mauerbiene, Dunkle Erdhummel erfaßt werden konnten..

Beobachter: Klaus Götze
Neueste Erkenntnisse zum Rückgang der Insekten

In einer Presseerklärung 2020 des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung Halle - Leipzig heißt es:
Weltweit gibt es sehr unterschiedliche lokale Trends. Eine Analyse weltweiter Langzeitstudien zeigt, dass die Zahl landlebender Insekten um 0,92 % pro Jahr zurück geht und gleichzeitig die Zahl der im Süßwasser lebenden Insekten um 1,02 % zunimmt. Mögliche Ursachen sind weltweite Gewässerschutzprogramme.
Diesem weltweiten Trend stehen unterschiedliche Entwicklungen vor Ort gegenüber. Dabei scheinen menschliche Einflüsse die Trends zu verstärken, so die Studie mit Insektenerfassungen an 1678 Orten in der ganzen Welt.
Lichtfänge von sächsischen Entomologen Mitte Juni 2020 zeigten, dass häufige Arten einfach fehlen und auch die Biomasse der Insekten rückläufig ist. Viele von uns denken, dass, wenn sie wieder Fliegen auf den Autoscheiben haben, es besser geworden ist, aber das ist nicht der Fall. Auch bei den Tagfaltern, welche im Garten zu beobachten sind wie Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Segelfalter und Distelfalter muß man mit Interpretationen vorsichtig sein, da diese Falter oft gleichzeitig schlüpfen und hohe Vorkommen vortäuschen. Der Trend geht weiter nach unten, so die Freunde aus Sachsen !
Insekten - Beobachtungen des NABU SHK e.V. 2018 bis 2020 in einem naturnahen Garten am Rande von Jena deuten darauf hin, dass die Anzahl der Arten in etwa gleich geblieben ist.

Klaus Götze, im Juni 2020
Insektensommer 2020

Beobachter:
NABU Vorsitzender Saale - Holzland - Kreis e.V: Klaus Götze, Semmelweißstraße 14 in 07743 Jena
Beobachtungsort:
Blumenbeete im Gartenbereich von ca. 20 m² im bebauten Stadtbereich von Jena
Blumenbestand:
Akelei, Wiesenglockenblume, Taglilien, Gänseblümchen, Vergissmeinnicht, Wiesenflockenblume, Geranien, Thymian, Lavendel
Zeitraum:
28. Mai bis 6. Juni
Beobachtete Insekten im Zeitraum:
Honigbienen: max. 3 bis 4 Ex / pro 1 Stunde Beobachtungszeit ( Spätvormittag )
Pelzbiene: max. 2
Erdhummel: max. 5, sowie 1 Königin
Steinhummel: max. 2
Wespen: max. 4
Tagfalter
Baumweißling: max. 5
Zitronenfalter: max. 2
Distelfalter: max. 1

Bemerkungen:
Durch die niedrigen Nacht- ( oft unter 5 °C ) und auch nur geringen Tagestemperaturen um 10 °C, mit Ausnahmen am 03.06. / 04.06. mit über 20 °C bestanden keine günstigen Voraussetzungen für die Umtriebigkeit von Insekten außer den Hummeln.
Auch von der Biologie der Insekten her sagen die Beobachtungen in diesem Zeitraum kaum etwas aus, weil die meisten Arten noch am Aufbau ihrer Populationen sind.
Rückschlüsse auf die Häufigkeit und Populationsstärken der Insekten sind aus naturwissenschaftlicher Sicht nicht möglich.
Was machen die Insekten im Winter ?

Die meisten Menschen glauben, wenn es im Winter sehr kalt ist, dann gibt es im nächsten Jahr keine Insekten, weil sie in der Kälte sterben. Das stimmt rein wissenschaftlich nicht ! Eigentlich macht die große Kälte wie jetzt bei uns Mitte bis Ende Februar den Insekten nicht viel aus. Es ist sogar umgekehrt: Für die Tiere ist es viel schlechter, wenn der Winter eher mild und regnerisch ist wie in den vergangenen Jahren. Denn im Boden leben viele Pilze, die sich bei solchen Bedingungen besonders gut ausbreiten. Was machen die Pilze ? Die Pilze brauchen viele Nährstoffe zum Überleben und überwuchern auch die Insekten, deren Eier, Puppen und Larven, die sie dann anschließend zersetzen. Man kann auch sagen: Die Insekten verschimmeln. Daher dezimiert ein milder Winter die Insektenlarven.
Wenn es im November langsam kalt wird, suchen sich die meisten Insekten (Wildbienen, Marienkäfer, Maikäfer, Hummeln, Wintermücken, Hausfliegen u.a.) ein geschütztes Plätzchen wie Holzspalten, Baumlöcher, alte Stubben, hohle Pflanzenstengel, Mauerritzen, Mäuselöcher, Laub, Sandhaufen, Dunganhäufungen und Komposthaufen. Also überall dort, wo sie vor Regen oder Schnee, vor Vögeln und anderen Feinden geschützt sind.
Manchmal tun sie sich auch zusammen in größeren Gruppen, wie die Marienkäfer und auch die meisten Ameisenarten. Andere Insekten wiederum verlegen ihr Nest tiefer in die Erde um der großen Kälte zu entgehen wie Hummeln und Wildbienen. Dort herrscht im Winter tiefe Stille und erst wenn die Temperaturen wieder ansteigen, werden die Tiere munter und krabbeln nach außen.
Es gibt aber auch ein Insekt was sich im Winter richtig viel bewegt, es sind die Honigbienen ! Sie fliegen nicht aus, sondern krabbeln in ihrem Stock umher und kuscheln sich zusammen zu einer sog. Wintertraube. Dadurch entsteht gute Wärme mit bis zu 20° Celcius. Hier können sie in aller Ruhe ihren Honig verzehren, den sie in fleißiger Arbeit in den Sommermonaten gesammelt haben.

Klaus Götze


Beobachtungen im Insektensommer 2018

Ende Mai
Am letzten Tag im Mai habe ich bei herrlichem Sonnenschein eine Grabwespe am Steingarten beobachten können, wie sie sich zu meinen Füßen in den sandigen Boden eingräbt. Nach den Bau der Brutkammer, die etwa 3 bis 4 Zentimeter lang sein wird, legt die Grabwespe ihre Eier ab und fängt im Garten laufend kleine grünliche Maden, die sie als Futterreserve vorhält, wenn nach der Metamorphose im nächsten Sommer die Imago schlüpfen. Ich bin ganz begeistert von der Ortstreue der Grabwespe, weil sie im Jahr zuvor an der gleichen Stelle für ihren Nachwuchs sorgte. Wie sie das Nest immer wieder finden konnte, bleibt ihr Geheimnis.

Mitte Juni.
Unter dem alten Bretterstapel am Garteneingang summte es schon einige Tage. Ich beobachtete, daß ständig Erdhummeln aus- und einflogen. So zählte ich pro Minute ein bis zwei Dutzend Erdhummeln, die zu den Trachtpflanzen in den Gärten flogen, um Nektar und Pollen für den Hummelnachwuchs zu sammeln. In etwa gleicher Zahl kamen am Nest Hummeln mit Nektar an. Hier nahmen dann die Futterhummeln den Arbeiterinnen die Ausbeute ab, um sie an die aus dem Ei geschlüpften Larven zu verfüttern. Die Erdhummelkönigin legte immerzu Eier und das bedeutete immer mehr Nahrungssuche der Arbeiterinnen, die am Eingang zum Hummelnest von den Wachposten des Hummelreiches auf Identität hin überprüft wurden. Das Volk ist klein und nur etwa 100 bis 400 Hummeln stark. Im Herbst ziehen alle Hummeln aus und sterben, während die neuen Königinnen mit viel gespeicherter Kraft geschützt im Boden überwintern und dann ein neues Volk gründen.
Eine unglaubliche Überlebensstrategie, die es schon seit etwa fünfzig Millionen Jahren gibt.

Ende August bis Oktober
Am Ende des Sommers werden die Zwetschgen, Birnen und Äpfel reif und da sind auch bald die Wespen da. Alles Süsse wird von den zudringlichen Flugkünstlern gefressen, weil sie damit ihren Energiehaushalt regulieren. Honig, Zuckerwasser, Limonade oder Marmelade wird auch nicht verachtet. Wenn das Nahrungsangebot es bietet, leben die Wespen bis in den November hinein, so wie auf den Streuobstwiesen in den Gärten und in der freien Landschaft um Jena und im Landkreis, wo tonnenweise das Obst den Insekten reichlich Nahrung bietet. Das war dem so! Bis Mitte Oktober sind dann auch die Wespen von der Bildfläche verschwunden. Das Taubenschwänzchen habe ich am 31. Oktober Nektar aufnehmend an den Nelken im Garten beobachten können, minutenlang.

Klaus Götze


Weniger Insekten - Ein Grund, feuchte und warme Winter

Die meisten Menschen glauben, wenn es im Winter sehr kalt ist, dann gibt es im nächsten Jahr keine Insekten, weil sie in der Kälte sterben. Das stimmt rein wissenschaftlich nicht! Eigentlich macht die große Kälte wie jetzt bei uns Mitte bis Ende Februar den Insekten nicht viel aus. Es ist sogar umgekehrt: Für die Tiere ist es viel schlechter, wenn der Winter eher mild und regnerisch ist wie in den vergangenen Jahren. Denn im Boden leben viele Pilze, die sich bei solchen Bedingungen besonders gut ausbreiten. Was machen die Pilze? Die Pilze brauchen viele Nährstoffe zum Überleben und überwuchern auch die Insekten, deren Eier, Puppen und Larven, die sie dann anschließend zersetzen. Man kann auch sagen: Die Insekten verschimmeln.
Wenn es im Herbst langsam kalt wird, suchen die meisten Insekten (Bienen, Marienkäfer, Maikäfer, Hummeln, Wintermücken, Hausfliegen etc.) ein geschütztes Plätzchen wie Holzspalten, Baumlöcher, Stubben, hohle Pflanzenstengel, Mauerritzen, Erdlöcher, Laub, Komposthaufen. Also überall dort, wo sie vor Regen oder Schnee, vor Vögeln und anderen Feinden geschützt sind. Manchmal tun sie sich auch zusammen in größeren Gruppen, so z.B. die Marienkäfer und auch die meisten Ameisenarten. Andere wiederum verlegen ihr Nest tiefer um der großen Kälte zu entgehen wie Hummeln und Wildbienen. Dort herrscht im Winter tiefe Stille und erst wenn die Temperaturen wieder steigen, werden die Tiere munter und krabbeln nach außen. Es gibt aber auch ein Insekt, was sich im Winter richtig viel bewegt, es ist die Honigbiene! Sie fliegen nicht aus, sondern krabbeln in ihrem Stock umher und kuscheln sich zusammen zu einer sog. Wintertraube. Dadurch entseht Wärme bis zu 20 °C.
Daher sollte man bei dem Insektensterben auch mal genau untersuchen, wie in den letzten Jahren (10 bis 15) die Winter in Deutschland waren!

Klaus Götze
Bienen brauchen unsere Hilfe

Das Frühjahr ist da und mit der wärmenden Sonne kommen auch die Bienen und Hummeln, die Eintagsfliegen, Wespen und Hornissen aus ihren Winterquartieren.
Die Insekten suchen nach ihnen genehmen Brutmöglichkeiten und brauchen Nektarquellen. Die sind jetzt, Ende März, nicht so reichlich vorhanden. Durch die intensive Landwirtschaft gibt es auf den Wiesen und Feldern nicht mehr so viele Blütenpflanzen wie vor 30 bis 40 Jahren. Für die Bauern sind das nur Unkräuter. Die industrielle Landwirtschaft hat die meisten Felder und Wiesen in hoch produktive, insektenfeindliche Bereiche umgewandelt, in denen es kaum noch blühende Pflanzen gibt. Es herrscht Mangel an Blütenpflanzen für die Bienen. Es wäre gut, wenn es in Thüringen mindestens 10 % ökologische Vorrangflächen geben würde, das heißt unbewirtschaftete Flächen vor allem im Offenland. Dadurch kann die biologische Vielfalt in der Fläche gefördert werden. Auch Blühstreifen, Ackerfeldraine und Ödland dienen als zusätzliche Nahrungsbereiche. Davon gibt es derzeit leider nur wenige.
Eine große Bedeutung kommt den Haus- und Kleingärten in Jena und im Landkreis zu, denn ohne ihre blütenreichen Staudengärten, alten Obstsorten und Steingärten wäre der Bienenbestand noch geringer als er ohnehin schon ist.
Für 500 g Honig fliegen die Bienen bis zu 9 Millionen mal zu den Blüten; das entspricht einer Strecke von etwa 3 Erdumrundungen. Nur gut, das es in Jena und im SHK noch Gartenfreunde gibt, die auch in diesem Frühjahr viele bunte Blumenbeete anlegen - zu ihrer Freude - und für den Erhalt der Honigbienen und anderer Flug-
insekten.
Besonders gern von Bienen besuchte Blütenpflanzen sind: Krokusse, Astern, Disteln, Minzen, Goldrute, Sonnenblume, Malven, Lavendel, Witwenblume und Thymian.

Klaus Götze, Ehrenvorsitzender

Bienenfreundlicher Garten