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Das Klima in Thüringen im Wandel der Zeit

Durch seine zentrale Lage innerhalb Deutschlands liegt Thüringen im Übergangsbereich zwischen dem kühlfeuchten, atlantisch geprägten Klimabereich im Westen und dem trockenen, osteuropäischen Kontinentalklima. Vor allem in den Wintermonaten Januar bis März überwiegen atlantische Tiefausläufer mit Regen und Sturmböen, während in den Sommer- und Frühherbstmonaten August, September bis Oktober osteuropäische Hochdruckzonen mit Schönwetterperioden unser Klima prägen. Dazwischen gibt es fließende Übergänge. Im Zentrum Thüringens liegt das Thüringer Becken, das nach Norden, Westen und Süden durch Mittelgebirge weit überragt wird; Harz, Dün, Thüringer Wald, Thüringer Schiefergebirge bilden Gebirgsmauern und Wetter - Wasserscheiden und schützen die randlichen Gebiete und das Thüringer Beckens gegen heftige und regenschwere Seewinde, während nach Osten offene Korridore für die trockenwarmen Luftströme aus den Steppen Osteuropas existieren. Diese einmalige Lage in Europa ist auch verantwortlich für die Zonierung der Temperaturen, Niederschläge und der Vegetation.
Durch die vorhandenen Mittelgebirge mit den ihnen vorgelagerten Tälern, Wäldern und Ebenen entstehen regionale Windsysteme mit den damit verbundenen Luv- und Leeeffekten. So wundert es nicht, dass im zentralen Thüringer Becken die Jahresmitteltemperatur 8,7 °C beträgt und im Thüringer Wald zwischen 5 °C bis 6 °C liegt. Die geringsten Niederschläge fallen im nördlichen Bereich des Thüringer Beckens mit weit unter 500 mm im Jahr, während auf den Kammlagen des Thüringer Waldes 900 bis 1200 mm pro Jahr fallen; auf dem Brocken sogar 2000 mm ! Während für die über 800 m reichenden Höhenlagen die eigentliche Vegetationsperiode nur etwa 100 Tage dauert, liegt sie im Zentrum des Thüringer Beckens bei 200 Tagen, also doppelt so lang. Zwischen den Landschaftsräumen liegen oft nur 30 bis
40 km Luftlinie. Hinzu kommen extreme Trockenperioden vor allem im Thüringer Becken mit oft weniger als 30 bis 40 mm Regen in der Vegetationszeit mit der Austrocknung von Gewässern und Böden sowie einer extremen Sonneneinstrahlung. Auf Grund dieser auf engem Raum sich verändernden klimatischen Bedingungen bildet Thüringen innerhalb Deutschlands ein einzigartiges Klimamosaik mit vielen kleinklimatischen Besonderheiten. Kahla, Jena und Dornburg liegen im mittleren Saaletal, das jährlich kaum mehr als 560 bis 580 mm Niederschläge erhält bei einer Jahresmitteltemperatur von 8,4 °C (Sommer 13,8 °C; Winter 2,3 °C). Damit gehört diese Region zu den wärmsten in ganz Deutschland.
Nach Angaben der TLUG (2004) hat sich in den letzten 50 Jahren sowohl die Temperatur als auch der Niederschlag verändert. Zitat: "Der Jahrestrend der letzten 50 Jahre zeigt eine allgemeine Temperaturzunahme in den Mittelgebirgen geringer 0,4 °C gegenüber 1,2 °C im Thüringer Becken. Im Thüringer Wald Niederschlags-zunahme, im Thüringer Becken und Teilen Ostthüringens Niederschlagsabnahme". Hier werden nur prozentuale Angaben gemacht, weil lokalklimatische Faktoren genaue Zahlenangaben nicht zulassen. Einer etwa 20 - prozentigen Regenzunahme in den Mittelgebirgen steht eine ebenso hohe Abnahme im Thüringer Becken entgegen.

Klaus Götze, freiberuflicher Hydrogeologe
Lutherstr. 131, Jena im Dez. 2020
Klimawandel gab es schon immer !

Es gibt ein informatives Buch von Wolfgang Behringer über die Kulturgeschichte des Klimas von der Eiszeit bis zur globalen menschengemachten Erwärmung. Beeindruckend ist schon, wie unsere Vorfahren in ihrem Aberglauben mit den Kältewintern und Dürresommern während der Kleinen Eiszeit zwischen 1300 bis 1850 umgingen und Schuldige suchten und auch fanden. Hexen wurden verbrannt, Juden verfolgt, Dämonen beschworen und Kriege geführt.
Aber auch neue Inseln wurden besiedelt in Zeiten 900 bis 1250 mit milden Temperaturen. Die Wikinger entdeckten Labrador, also Amerika, das Land der Bäume, wie sie es nannten. Die Menschen bauten Getreide in Island an und besiedelten Grönland.
Die Römer eroberten dank der warmen Sommer und milden Winter vor 2000 Jahren Germanien, Britanien und Gallien ( Frankreich ), bauten den Limes und führten den Obst- und Weinanbau bei uns ein.
Derzeit wird es wärmer und das kann jeder feststellen. Aber deshalb geht die Welt nicht unter. Der Mensch muß lernen damit umzugehen. Die Erwärmung bringt auch positive Aspekte wie die Wanderung der Baumgrenze, die Ausdehnung der Tundra, die Zunahme der Besiedelung mit Pflanzen und Tieren nach Norden sowie die Erschließung von eisfreien Böden.
Gegen die minimalen Erhöhungen des Meeresspiegels durch die Erwärmung des Wassers um ca. 15 bis 20 cm kann man was tun, wie die Holländer es bekanntlich beweisen.
Viele Leute schimpften auf den warmen, auch an manchen Tagen heißen Sommer ! Die Schreckensmeldungen sind unüberhörbar. Das Wasser sei knapp. Die Bäche und Quellen würden versiegen. Die Blaualgen in den Badeseen seien furchtbar und ätzen die Haut der Badenden. Die Wälder und Felder brennen durch Selbstentzündung und die Menschen bekommen Hitzeschläge und müssen ins Krankenhaus. Die Wälder sterben durch Trockenheit und Hitzewellen. Doch es hält sich alles in Grenzen und auch unsere kleine Welt ist noch intakt. Wir müssen uns den neuen Realitäten stellen und Vorsorge betreiben und den Klimaschutz zur Priorität unseres Handelns machen.
Dabei vergessen die Leute, daß die sommerliche Wärme auch Gewinner hat wie die Weinbauern im Unstrut- und Saaletal, die Obstanbauer mit Rekordernten an Kirschen und Beeren, weil keine Frühjahrsfröste aufgetreten sind. Weitere Gewinner sind die Eisverkäufer, Kühlschrankbauer, Getränkehersteller, Badbetreiber wie in Jena mit täglich mehr als 2000 bis 3000 Badegästen im Schleichersee und Ostbad. Und erst die vielen Solaranlagenbesitzer, deren Hausdächer mit ihren Solaranlagen so viel Ökostrom wie noch nie produzieren - in ganz Deutschland etwa mehr als 20 Atomkraftwerke - !
Auch sind die Menschen weniger krank, weil durch das Sonnenlicht auch das Immunsystem gestärkt wird. Die Menschen bleiben im Lande, weil es genau so sonnig und warm ist wie in Italien, Kroatien, Spanien und Frankreich. Und wer die Herztoten bei 36 ° im Schatten bedauert, der unterschlägt die Grippetoten im Winter ! Wer denkt noch an das Jahre 2017, das ein Nässejahr mit vielen sommerlichen Regen war !
Menschen sollten aufhören, vom schlechten und guten Wetter zu reden und ganz normale Naturereignisse wie Sonne, Regen, Wind und Nebel mit Humor einfach ohne moralische Bewertung hinzunehmen.
Bescheidener werden ist die Devise !
Weniger verreisen - weniger Wasser verbrauchen. Weniger Versiegelungen - weniger Verkehr - Nachhaltiger leben ! Weniger CO2 - Immissionen in die Atmosphäre !

Klaus Götze, NABU SHK e.V.
Gerd Beil, stellv. Vors.
Risiken des Klimawandels auf den Naturhaushalt

Seit Anfang des 21. Jahrhunderts läßt sich nach unseren hydrologischen Messungenan Schicht- und Karstquellen in und um Jena ein deutlicher Rückgang der Abflüsse in Trockenperioden erkennen. Ursachen sind eindeutige Zunahmen der Trockenperioden in Häufigkeit und Andauern vom Spätsommer bis zum Spätherbst mit teilweise 2 Trockenperioden.
Auch die Unwetterszenarien häuften sich in diesen Zeiträumen zwischen 2000 bis 2020. Heftige Starkregen und lokale sintflutartige Regenfälle führten zu räumlich eng begrenzten Überschwemmungen von Dörfern und Auen kombiniert mit einer merklichen Abnahme der Niederschlagssummen während der Vegetationsperiode. Daher ergeben sich die Konflikte Hochwasserschutz - Trockenzeiten - Wasserversorgung und erfordern vom Gesetzgeber ein völlig neues Wassermanagement.
Wie soll das aussehen? Hochwasser laufen innerhalb weniger Tage ab, während sich Trockenperioden über viele Monate hinziehen und die Grundwasserspeisung verhindern, das zum Absinken des Grundwasserspiegels weitflächig führt. Die potenziell hohe Verdunstung wiederum führt auch zu Abnahmen von Talsperrenwasser und zu Niedrigwasserführungen vieler kleiner und mittlerer Flüsse in Thüringen.
Da die Risiken des Klimawandels nicht linear sind, lassen sich neue Bewirtschaftungsrichlinien für die Resourcen Wasser und die Landwirtschaft in Thüringen nur regional festlegen.

Klaus Götze, Vorsitzender
Agrarreform braucht stärkere ökologische Ausrichtung
NABU Thüringen fordert, Agrarsubventionen müssen an echte gesellschaftliche Leistungen gebunden sein

Die gemeinsame Agrarpolitik (GAP) muss stärker ökologisch ausgerichtet werden; dies fordert der NABU Thüringen auf seiner Landesvertreterversammlung am Samstag in Nordhausen. Hintergrund für diese Forderungen ist die noch zu zögerliche Neuausrichtung der EU-Agrarpolitik, die laut EU-Kommission auch der nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen und der Bekämpfung des Verlustes der biologischen Vielfalt dienen soll.
"Um die vereinbarten Biodiversitätsziele der EU bis 2020 zu erreichen, ist es vor allem wichtig die Förderkulisse in Richtung artenreiches Dauergrünland zu lenken und sinnvolle Rand- und Uferrandstreifenprogramme aufzulegen", fordert Mike Jessat der Landesvorsitzende des NABU Thüringen. Ökologische Leistungen müssen die Voraussetzung von Agrarsubventionen sein und zukünftig in der Beratung der Landwirtschaftsbetriebe durch die Agrarverwaltung des Freistaates eine deutlich wichtigere Rolle spielen.
Martin Schmidt, Mitglied im NABU-Landesvorstand, unterstreicht dies in seinem Beitrag über mögliche Thüringer Schwerpunkte in der neuen Förderperiode. "Artenreiches Dauergrünland trägt besonders zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei. Unsere Mittelgebirge brauchen die Bergwiesenpflege genauso dringend wie die Ackerebene Rand- und Uferstreifenprogramme. In unserer ausgeräumten Landschaft finden dort bedrohte Arten noch letzte Rückzugsräume". Laut Auffassung des NABU sind auch verstärkt Maßnahmen zur Reduzierung diffuser Stoffeinträge in die Gewässer und in das Grundwasser zur ergreifen. Hierfür ist vordringlich das Pflanzenschutz- und Düngerecht zu schärfen anstatt zusätzlich zu den flächendeckenden Direktzahlungen weitere Steuergelder auszuschütten.
Die Delegierten der Versammlung begrüßten ebenfalls die gemeinsame Position von NABU und den Thüringer Imkerverbänden, zur Situation der bestäubenden Insekten. In dieser fordern die Verbände unter anderem von der Landesregierung einen Aktionsplan für blühende Landschaften. Denn zunehmende Umwelt-belastungen und der Mangel an artenreichen Blütenpflanzen machen Honigbienen, Wildbienen und vielen anderen Insekten das Leben schwer. Der Aktionsplan muss über alle Naturräume und Landnutzungsformen hinweg einen Mindestanteil von 10 Prozent ökologischer Vorrangflächen sichern. Das gilt in erster Linie für das Offenland. Durch ökologische Vorrangflächen soll die Biodiversität gefördert werden. Blühstreifen und Ackerraine mit regionaltypischen und insektenfreundlichen Pflanzen können dazu beitragen.

Quelle: NABU Pressedienst
Sichtbarer Klimawandel nach phänologischen Beobachtungen

Der Klimawandel schreitet ständig voran. Das ist das Ergebnis der Auswertung von jahreszeitlich wiederkehrenden Erscheinungen in der Pflanzen- und Tierwelt durch den Deutschen Wetterdienst.
Der DWD betreibt seit 1951 ein phänologisches Beobachtungsnetz mit über 2000 Stationen zur Beobachtung wild wachsender Pflanzen und landwirtschaftlicher Kulturen von Obstgehölzen und Wein in Deutschland.
Hier die wichtigsten Erkenntnisse der 50-jährigen phänologischen Beobachtungen:

1. Immer früheres Einsetzen von Blattentfaltung und Blüte um 1,3 bis 3,1 Tage pro Dekade
2. Ständig weitere Hinausschiebung der Herbstphasen (Blattverfärbung und Fallen der Blätter) um 0,3 bis 1,6 Tage je Dekade.
3. Erhöhung der Dauer der Vegetationszeit um mehr als 10 bis 12 Tage gegenüber der Beobachtungszeit von 1951 bis 2000 in Deutschland.


Auch das frühzeitige Ablaichen von einigen Amphibienarten, die häufigere Überwinterung von Zugvögeln bzw. ihre vorzeitige Rückkehr und das frühzeitige Auftreten von Tagschmetterlingen sowie der Rückgang montaner Orchideen in den Alpen und Mittelgebirgen sind sichtbare Folgen des Klimawandels in Deutschland.
Mit dem Klimawandel werden auch die Extremwetterlagen wie Starkregen, Stürme, rasche Lufttemperaturwechsel, Überschwemmungen und Trockenperioden zunehmen. Diese bereits in Gang befindlichen Umweltveränderungen, vor allem die Eutrophierung (Überdüngung) des Bodens und der Gewässer (Fließgewässer, Seen, Teiche und Tümpel) bergen zusammen mit den intensiven landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsformen aus unserer Sicht auch Risiken für die Tier - Pflanze - Interaktion. Das bedeutet u.a., dass die Synchronisation der Insekten als Bestäuber der Natur- und Nutzpflanzen gestört werden könnte, da die Aktivität Blüten besteubender Insekten wie beispielsweise der Bienen, Fliegen und Käfer vor allem durch den sich ergebenden Temperaturwechsel, aber auch durch die Veränderung des Wasserhaushalts bestimmt wird und langfristig zum weiteren Rückgang der biologischen Vielfalt führen wird. Die aktuelle Rote Liste der bedrohten Pflanzen- und Tierarten in Thüringen liefert dazu eindeutige Beweise.

Dr. Jens Götze
Augustwetter mit viel Hitze und Trockenheit

Thüringen erreichte nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes eine Sonnenscheindauer von 227 Stunden (Langjähriges Mittel: 172 Stunden) und Regenmengen von 58 mm auf den Quadratmeter sowie Lufttemperaturen von 18,5 °C (Langjähriges Mittel 16,0 °C). In Tegkritz nördlich von Gera wurden am 20. August 38,4 °C im Schatten gemessen. In Jena und im Saaleholzland fielen mit 36,3 mm etwa knapp die Hälfte der langjährigen Niederschlagsmenge, der bei 62 mm der Klimastation Jena liegt.
Durch die wenigen und nicht intensiven Niederschläge fielen zu Mitte des Monats August sämtliche Tümpel im Zentralteil des NSG Rothenstein trocken. Nur die Quelle im Ausgang des Herrengrundes westlich der Einfahrt zur Fa. Streicher schüttet noch spärlich Wasser. Auch die Karstspaltenquellen in Geunitz und bei Dienstedt, an der Obermühle Geunitz schütten geringe Grundwassermengen, die etwa NQ - Verhältnissen entsprechen.

Klaus Götze